Spanische Renaissance
«Requiem für Maria Theresia von Österreich»
Pracht des mehrchörigen Stils des Spanischen Reiches – Galán, Romero, Arauxo, Bruna, Patiño
Julio Caballero, Leitung
Versailles, 1683. Im Alter von 44 Jahren wurde Maria Theresia von Österreich und Bourbon vom Tode ereilt. Als Infantin von Spanien, Tochter Philipps IV., und Königin von Frankreich durch ihre Heirat mit Ludwig XIV. sollte sie dazu beitragen, den Frieden zwischen den beiden damaligen europäischen Grossmächten zu sichern, die sich seit der Zeit von Franz I. und Karl V. ständig bekriegten. In Frankreich bereitete man pompöse Begräbnisfeierlichkeiten vor, wie sie der Gattin des Sonnenkönigs gebührten; Lully und Charpentier wurden für die Musik engagiert. Am spanischen Habsburger-Hof wurde des Tods der Schwester Karls II. in dessen Abwesenheit gedacht. Das Palastarchiv in Madrid bewahrt Stiche und Dokumente, die uns ein prachtvolles Begräbnis zeigen; die Musik, die man sich gerne dementsprechend vorstellt, fehlt jedoch. Bis Musikwissenschaftler des Vereins Ars Hispana vor kurzem im Schatz der Kathedrale von Valladolid eine aufsehenerregende Entdeckung machten: Sie stiessen auf die von einem Schreiber der Institution angefertigte Kopie eines vierchörigen Requiems von Cristóbal Galán, dem damaligen Madrider Kapellmeister. Der Fund umfasste zudem mehrere Motetten früherer Meister der erwähnten Kapelle, die vermutlich ebenfalls während der Beisetzung zwischen den verschiedenen Sätzen des Requiems gespielt wurden. Die Chronologie und weitere Merkmale, die das Werk mit dem strengen Protokoll spanischer Königsbegräbnisse verbinden, lassen keinen Zweifel aufkommen: Komponiert im reinsten spanischen mehrchörigen Stil des 18. Jahrhunderts, handelt es sich um das Requiem für Maria Theresia von Österreich, Ehre Frankreichs, Stolz Spaniens. Julio Caballero und sein Ensemble El Gran Teatro del Mundo sind stolz darauf, es uns tel quel zu präsentieren.
© May Zircus


